Reitkunst

Kunst hat viel mit Hingabe, Liebe und Geduld zu tun. Es braucht Durchhaltevermögen - eine innere Ausrichtung - einen Weg zu gehen und  einen Prozess zu durchlaufen. Es ist eine Entscheidung, sich einzulassen. Die Kunst basiert auf dem Können - auf einer handfesten Technik, auf fundiertem Wissen und jahrelangem praktischen Üben. Das zusammen gibt ein Verständnis für die Materie und führt zu einem tieferen Gespräch mit sich selber und dem Gegenüber: dem Pferd. Die Kunst hat Anschluss an etwas Höheres, das sie führt und trägt - eine schöpferische Essenz. Sie drückt sich aus in einer schlichten Schönheit und einer feinen Harmonie: das Leuchten einer natürlichen Vollendung eines mit Liebe geleisteten Werkes. Jeden Tag von neuem: Der Pferdekörper und seine Persönlichkeit. Das Zusammenfinden von Mensch und Pferd und dieser gemeinsamen Quelle. Heilung wird möglich für die, welche sie praktizieren und auch für die, welche sie betrachten, spüren und hinhorchen. Es ist nichts Lautes. Es ist eine innere Zufriedenheit, ein glückliches und freies Herz. Liebe darf sich offenbaren, ehrlich, klar, anmutig - voller Hingabe und Präsenz.

Je sorgfältiger ich ausbilde, mit Klarheit, Geduld, Respekt und einem offenen Herzen, je näher komme ich der Seele des Pferdes und umso mehr wird es dem Pferd möglich sein, mir zurückzugeben an Liebe, Kraft und Hingabe. Mehr als es der Verstand jemals erfassen kann.

 

Das ist die Essenz der Reitkunst - der Weg zu sich selber und seinem Pferd.

 

Gedanken

In keiner anderen Kunstrichtung jedoch wird so viel Zwang, Manipulation und Brutalität angewendet, um an einen spektakulären Erfolg zu kommen wie in der Reiterei. Umso tragischer, wenn man bedenkt, dass es sich um ein lebendiges Wesen handelt, mit dem wir arbeiten. In meiner ganzen Auseinandersetzung mit der Reiterei, die Studienreisen auf der Suche nach der klassischen Reitkunst hat mir genau das oft gefehlt: eine sinnliche, feine Reiterei, in der sich inneres Leuchten der Lebewesen nach aussen entfalten kann. Eine Reiterei, in der die Pferde sich in ihrer Ganzheit entwickeln und zeigen können – wo die Seelen der Pferde aus ihren Augen leuchten können. Eine Reitkunst, welche die Pferde gesund, kräftig und schön macht. Dies kann sich nur entwickeln in einer stillen, geduldvollen Atmosphäre, denn dafür muss der Mensch sich öffnen, um hineinzuhorchen in die Pferde und in sich selber.

Es gibt zwei Grundenergien, die das Leben ausmachen: das weibliche und das männliche Prinzip. Die Chinesen beschreiben es als Yin & Yang. Zwei Grundenergien, die sich gegenseitig ergänzen und schlussendlich EINE EINHEIT bilden. Das eine ist im anderen als Kern enthalten.

Einige Beispiele:

 

Yin als weiblich
Aussen schwach und innen stark
Dunkel
Intuitiv
Still
Fliessend
Passiv
Empfangend
Innerlich
nährend

Yang als männlich
Aussen stark und innen schwach
Hell
Wissend
Laut
Kontrollierend
Aktiv
erfolgsorientiert
Äusserlich
Auf Höhepunkte aus

© Manuela Tuena - Hauptstrasse 3, 3251 Wengi b.Büren - Telefon 078 711 76 26 - Email manuela.tuena@bluewin.ch